Bildbetrachtung zur Passionszeit

Bildmeditation in der 5.Woche der Passionszeit 2021
„Christus in der Wüste“ , Ivan Kramskoj, 1872

Wüst und leer…
So sieht es auf dem Mars aus.
Wir wissen das. Bilder erreichen uns aus den Weiten des Weltalls, der Schöpfung Gottes.
Menschen können da nicht leben. Maschinen tun für uns dort, was wir nicht können.
Sie untersuchen den Boden, messen Temperaturen, senden Bilder aus den fernen Weiten des Kosmos.
Vielleicht gab es einmal Leben - dort oben. Der Himmel ist für mich immer oben.
Zu dem schaue ich auf und erwarte Hilfe, Verstehen und Antwort.
Jetzt sehe ich auf einen grauen Himmel, vergehendes Licht am weit entfernten Horizont, grauer Felsen, hart und schroff.
Es lässt mich frösteln, Kälte dringt mir in alle Poren.
In der Mitte des Bildes sitzt Jesus auf einem Stein. Er richtet seinen Blick zu Boden, schaut auf die Erde. Da ist kein Leben, nur Stein und Geröll und Ödnis.
Seine Hände liegen gefaltet, wie zum Gebet, in seinem Schoß.
„Blicke ich nach rechts und schaue mich um: weit und breit ist kein Freund zu sehen! Jede Zuflucht habe ich aus den Augen verloren. Keiner ist da, der sich um mich kümmert.“ (Ps 142, 5)
Das Gefühl von Einsamkeit erreicht mich aus diesem Bild und bannt meinen Blick; schließt mich mit ein.
Ich meine nach zu empfinden, was er, Jesus, fühlen muss.
„Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir …“ (Mt 26, 39)
Jesus betet.
Was auch sonst. Es bleibt nichts, als immer und immer wieder zu sagen, was den Kopf, das Herz
so sehr beschwert. „Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir…“
Der Gedanke an das, was kommt, ist schwer zu ertragen; alleine kaum aus zu halten.
Es ist noch nicht lange her, da umjubelte ihn die Menschenmenge bei seinem Einzug in Jerusalem:
„Hosianna in der Höhe.“
Dieser Ruf gelt noch in seinen Ohren. Doch nun sind alle weg. Niemand mehr da. Selbst die treuesten Freunde nicht.
Er sitzt – allein. Die Freunde sind eingeschlafen. Nicht aus Bosheit,
„…aber die menschliche Natur ist schwach.“ ( Mt 26, 41)
Wie können sie jetzt schlafen?
Wacht und betet!
Jesus im Gebet.
Es scheint, als sei er nicht nur von Menschen, auch von Gott verlassen. - Mutterseelenallein.
„ Vater, wenn es möglich ist…“
Der Verrat ist schon geschehen.
Das Abendmahl mit Judas Ischariot und den anderen ist gefeiert. Gleich kommen sie und holen ihn, die Torturen werden beginnen.
Sie enden am Kreuz.
Keine Zukunft, kein Morgen, keine Hoffnung. Hinterm Horizont geht nichts weiter, da wartet kaltes schwarzes Nichts. Das ist das Ende.
„Ich bin verzweifelt und voller Todesangst. Wartet hier und wacht mit mir!“ und „…er wurde sehr traurig und Angst überfiel ihn.“ (Mt 26, 37f) Mitleid erfüllt mich.
Hilflos schaue ich in dieses Bild und gehe dem Gefühl von Verlorenheit und Einsamkeit nach.
Jesus, der Mensch. Ausgeliefert den Mächtigen der Welt, verloren und allein.
Jesus, Heiland und Retter.
Hier in seiner Ohnmacht kommt er mir ganz nah.
„…wüst und leer und Finsternis lag über dem Urmeer…“ (1. Mos 1, 2)
Am Anfang war so die Erde, unbelebt – wie der Mars.
Woher kommt Hilfe, wo ist Gott ?
„Vater, wenn es möglich ist…“
Jesus betet und ich mit ihm.
Pfarrer Rainer Rosinski

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