Ausstellung: Die Befreiung Bismarcks am 9. April 1945

Große weltpolitische Ereignisse warfen ihre Schatten im Frühjahr 1945 auch auf das kleine westfälische Örtchen Bismarck, das bereits seit über vier Jahrzehnten ein Stadtteil Gelsenkirchens war.
Das aus Nebraska stammende 134. US-Infanterieregiment als Teil der 35. Infanterie-Division, das bereits seit Sommer 1944 in mehreren Gefechten auf französischem, luxemburgischen und belgischen Boden gekämpft hatte, rückte im März nach der Überquerung des Rheins in Richtung Ruhrgebiet vor.
Damit begann eine Operation, die dazu führte, was wir aus heutiger Sicht als „Befreiung“ Gelsenkirchens von der nationalsozialistischen Diktatur betrachten.
Für die deutsche Bevölkerung waren die Ereignisse des Frühlings 1945, die schließlich in der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai resultierten, zur damaligen Zeit mehrheitlich eine deprimierende Niederlage.
Dennoch: Der Zweite Weltkrieg war mit dem Eintreffen der US-Truppen in den ersten Apriltagen 1945 für die Stadt Gelsenkirchen beendet, für große Teile der Zivilbevölkerung sicher eine Erleichterung.
Das 134. Infanterieregiment erreichte Buer am 30. März und wurde in verhältnismäßig leichte Kampfhandlungen mit geringen Verlusten verwickelt und quartierte sich am 31. März in Resse, Herten und Westerholt ein. Nachdem am 7. April das gesamte Ruhrgebiet eingekesselt worden war, wurde tags darauf die Überquerung des Rhein-Herne-Kanals vorbereitet, die, unter Beschuss, in den frühen Morgenstunden des 9. April 1945 begann. Um 9:25 Uhr wurde gemeldet, dass Gelsenkirchen-Bismarck befreit ist. Nennenswerten Widerstand hatten die Truppen offenbar nicht abzuwehren, später am Tag konnten einige Angehörige der 2. Fallschirmjäger-Division (eine deutsche Elite-Einheit) gefangen genommen werden, die berichteten, dass ihre Kompanie bereits nach Bochum abgezogen war.
Mit Sirenen, Kirchenglocken und Zugpfeifen wurden die „Befreier“ am Nachmittag begrüßt. Tags darauf, am 10. April 1945 um 9:45 Uhr konnte nach weiteren Operationen die Befreiung Gelsenkirchens gemeldet werden. Im Verlauf des 10. Aprils bezog dann das 216. Artillerie-Bataillion, um die weiteren Operationen der 35. Infanterie-Division in Richtung Bochum und Ruhr verlaufend zu unterstützen, Stellung in Bismarck.
Für Gelsenkirchen war der Krieg damit beendet, zum ersten Mal seit dem 20. Mai 1940 (dem Tag des 1. Bombardements auf Gelsenkirchen) waren keine Bombardierungen mehr zu befürchten.

Am Gründonnerstag dieses Jahres jährt sich die Befreiung Bismarcks zum 75. Mal.


Zu diesem Anlass wollten wir dem Jubiläum in einem abendlichen Gottesdienst in der Christuskirche gedenken.
Der Förderverein der Christuskirche wollte außerdem eine kleine Ausstellung von Uniformen, Sanitäter-Ausstattung und anderen historischen Objekten dieser Zeit präsentieren.

 


Aus gegebenen Anlass ist ein Gottesdienst und ein Besuch der Ausstellung nicht möglich, aber wir zeigen hnen die Exponate der Ausstellung hier.

 


Zeitzeugen gesucht:

Haben Sie selbst oder jemand in Ihrer Familie oder Bekanntschaft die letzten Kriegstage in Bismarck miterlebt?
Haben Sie Erinnerungen an diese Zeit, vielleicht sogar Bilder oder Gegenstände?

Dann melden Sie sich doch:
Philipp Siebert, 0209/9389 82 31.

Combat Medic (Sanitäter) mit typischer Ausstattung der letzten Kriegstage.

 


Auf der vom Betrachter linken Seite wird die Tasche für die medizinische Ausstattung getragen, auf der rechten befindet sich die Umhängetasche für die Gasmaske. Die Rotkreuz-Armbinde auf dem rechten Arm war, genauso wie der gekennzeichnete Helm, Pflicht um den Träger als besonders geschützte Person gemäß der Genfer Konvention zu kennzeichnen. Einige Medics haben jedoch zur besseren Erkennbarkeit an beiden Armen die Rotkreuz-Armbinde getragen.
Zur weiteren Ausstattung gehörten auf dem Rücken ein Rucksack für persönliche Ausrüstung, sowie eine bis 2 Feldflaschen und eine Verbandspäckchen-Tasche für den Eigenbedarf.
Eine Bewaffnung für so gekennzeichnete Soldaten war gemäß Genfer Konvention strengstens untersagt.

 

Viele Combat Medics waren einfache Männer, die sich aus patriotischen Gründen freiwillig für den Kriegsdienst gemeldet haben, jedoch aus religiösen Gründen keinen Dienst an der Waffe leisten wollten und daher während der Grundausbildung als Feiglinge verspottet wurden. Später im Kampf bewährten sich die Medics jedoch als äußerst mutige und wichtige Personen, die unter Einsatz ihres Lebens im Gefecht Verwundete versorgten. Innerhalb der Truppe erhielten sie den respektvollen Spitznamen 'Doc'. Der Combat Medic war innerhalb seines Platoons (dt. Zug) Hausarzt, Seelsorger, gute Fee und die beste Chance eine Verwundung zu überleben (auch für Verwundete auf deutscher Seite).


(Bei Interesse suchen Sie nach der Geschichte von Desmond Doss - eine unglaublich inspirierende Geschichte verfilmt in 'Hacksaw Ridge')

 

Im Vergleich zum pazifischen Kriegsschauplatz wurde von deutschen Truppen zum größten Teil die Genfer Konvention in Bezug auf westalliiertes medizinisches Personal beachtet und in der Regel sogar bei Gefangennahme von Sanitätspersonal zusammen gearbeitet um möglichst viele Leben zu retten.

Typische Gegenstände, die ein Combat Medic in seiner Tasche mitgeführt hat.

 


Bis hin zu Notoperationen im Feld war der Medic auf möglichst alle Eventualitäten vorbereitet. Von Verbandspäckchen über Jodtinktur bis hin zu Flaschen mit Blutplasma hatte der Medic eine Vielzahl an Utensilien dabei. Natürlich ständiger Begleiter der Helm, die Armbinde und ein spezieller Ausweis um ihn unter den Schutz der Genfer Konvention zu stellen.
Auch das heute noch weit verbreitete Aspirin war immer zur Hand, war jedoch auf Grund seiner Blut verdünnenden Eigenschaft Fluch und Segen zugleich.

Amerikanische Gasmaske mit Tasche und Zubehör.

 

Bei der Vorbereitung auf die Überquerung der Emscher und des Rhein-Herne-Kanals wurde der ausdrückliche Befehl ausgegeben, dass jeder Soldat "südlich des Kanals" eine Gasmaske mitzuführen hatte. Das lässt erkennen, dass die Amerikaner auch in den letzten Kriegstagen noch große Angst vor deutschem Giftgas haben.

Auf den Fotos ist zu erkennen, dass fast alle Soldaten zumindest eine Gasmaskentasche mit sich geführt haben, ob in allen diesen Taschen auch eine Maske war bleibt fraglich - häufig wurden die Masken wegen des zusätzlichen Gewichts 'entsorgt' und die Taschen zweckentfremdet genutzt.

Ausgehuniform eines Sergeant des 161st Artillery Battalion, 35th Infantry Division.

 

Der Träger dieser Uniform hat von der Mobilmachung in den USA (linke Ordensspange auf der vom Betrachter rechten Brust) über die Kampfhandlungen auf dem westeuropäischen Kriegsschauplatz (mittlere Ordensspange) bis hin zum Kriegsende (rechte Ordensspange) am Kriegsverlauf teilgenommen und dabei insgesamt ein Jahr außerhalb der USA verbracht (zwei Streifen unten auf dem rechten Ärmel). Nach seiner Rückkehr wurde er ehrenhaft aus der Armee entlassen (Abzeichen auf der linken Brust).
Auf beiden Ärmeln werden die 3 streifen eines Sergeant getragen. Auf dem rechten Ärmel befindet sich darüber daß Abzeichen der 35th Infantry Division. And dem Kragen befindet sich die Kennung für die Waffengattung und auf dem Revers die Abzeichen des Bataillons.

Typische Inverkehrbringer der US-Streitkräfte

 

Vor dem Hintergrund einer typischen Kinderjacke aus den 1940er Jahren eine Auswahl an Gegenständen die den Kontakt zur Zivilbevölkerung begleitet haben. Vom Wörterbuch für den Erstkontakt hin zu Spielkarten, Zigaretten, der ersten Coca-Cola für viele Kinder und der Field Ration D (Schokolade) gab es eine Vielzahl von Gegenständen, die die Befreier an deutsche Bevölkerung verschenkt haben - selbst getragene Socken waren auf Grund der Wolle eine beliebte 'Beute' innerhalb der Bevölkerung. Um in Deutschland Waren erwerben zu können wurde bereits 1944 sogenanntes Invasionsgeld gedruckt.
Bekanntes hatten die Amerikanischen Soldaten auch im Gepäck. Hier zu sehen anhand des neuen Testaments in der protestantischen Fassung, sowie einem Gebetsbuch für jüdische Soldaten.